Vorgestern hat mich die Muse geküsst, ich glaub, es war Viertel vor Drei. Ich hab gleich gewusst, dass sie es wohl ist, sonst war nämlich niemand dabei.
Sie küsste ganz sachte mich aufs rechte Ohr, sofort fielen Reime mir ein. Ich dichtete wie ich es tat nie zuvor ein Gedicht, so lieblich und fein.
Es war witzig und frech, und doch elegant, voller Anmut und voll Poesie. So schöne und treffende Bilder, die fand ich zuvor beim Herumdichten nie!
Mein Herz ging mir über, ich fand Wort um Wort, ich wähnte mich im Paradies! Das Gedicht ward ein Epos, es wuchs fort und fort, die Muse die Richtung mir wies.
Am Ende, da stand mir im Auge die Flut. Das Gedicht, es ergriff mich so tief! Meine Seele war wund, und doch war so gut was die Muse heraus aus mir rief.
Ich war völlig erschöpft. Ich fiel auf die Knie, und berührte voll Ehrfucht den Saum des Gewands, das sie trug. Da lächelte sie mich an und verließ dann den Raum.
Vorgestern hat mich die Muse geküsst, ich glaub, es war Viertel vor Drei. Das Gedicht nahm sie mit, denn das Blöde ist: ich hatt’ keinen Bleistift dabei.