Jul 03

Das geheime Leben des Pilzes Heinz G. (7)

Tag: Pilzcontent,WorteBlasebalg @ 10:55

Es war noch früh am Morgen. Die Vögel schrieen sich die Kehle aus dem Hals, um die Sonne über den Horizont zu locken, doch noch war es recht dunkel im Wald. Das Knacken hatte Heinz aufgeschreckt. Hatte er es nur geträumt? Er schüttelte sich, um den Schlaf zu vertreiben. Dann lauschte er aufmerksam in den Wald hinein.

Knack.

Da war es wieder gewesen. Hinten rechts. Ob der Jungpilz es auch gehört hatte?

“Mo, bist du wach?” Heinz flüsterte halb, halb rief er.

“Ja, ich bin wach”, kam es zurück. Die Stimme des Jungpilzes klang heute schon deutlich tiefer als in den letzten Tagen. Er musste ordentlich gewachsen sein.

“Hast du das Knacken auch gehört?” fragte Heinz. Er wusste nicht, was ihn mehr beunruhigte. Das Knacken an sich, das um diese Tageszeit ausgesprochen ungewöhnlich war, oder dass er es sich vielleicht doch nur eingebildet hatte. Vielleicht waren das ja die ersten Anzeichen des beginnenden Verfalls? Hastig prüfte Heinz, wie weit seine Sporen entwickelt waren. War es vielleicht schon so weit?

Knack.

Nein, die Sporen waren noch lange nicht so weit.

Knack.

“Natürlich höre ich es,” flüsterte Mo gepresst. Auch er schien beunruhigt, und das machte ihn gesprächig. “Im Myzel unten hat man sich Geschichten erzählt. Von Pilzen, die einfach verschwunden sind. Von jetzt auf nachher. Da war auch immer die Rede gewesen von unheimlichen Geräuschen. Und von riesenhaften Wesen, die die Pilze einfach aus dem Boden gerissen und aufgefressen haben.”

Heinz lief es eiskalt den Hut hinunter. Er hatte natürlich die gleichen Geschichten gehört. “Ach Mo, das sind doch nur Schauergeschichten, die man kleinen Pilzen erzählt, um sie zu erschrecken.” Er versuchte, seine Stimme fest klingen zu lassen. Aber letztlich brachte er nur ein heiseres Krächzen heraus.

Knack.

“Ich glaube, es kommt näher”, flüsterte Mo.

Knack.

Heinz schickte ein Stoßgebet nach dem anderen ins Myzel, er betete darum, dass die Schauergeschichten seiner frühen Kindheit wirklich nur Ammenmärchen waren.

Knack.

Riesenhafte Wesen, die Pilze ausrissen und auffraßen, das war doch albernes Zeug.

Knack.

“Mo?”

Knack.

“Ja?”

Knack.

“Ich glaube, es kommt wirklich näher.”

Knack.

“Oh heiliges Myzel, da kommt was aus dem Wald, ich kann einen dunklen Schatten sehen.” Mos Stimme überschlug sich fast.

Knack.

Dann gab es einen lauten Plumps.

“Mo?”
Der Jungpilz gab keine Antwort.

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4 Kommentare zu “Das geheime Leben des Pilzes Heinz G. (7)”

  1. Katarina says:

    Wow, den Trick mit den Cliffhangern haben Sie aber drauf, gell?
    LG, Katarina

  2. Blasebalg says:

    Ja, das ergibt sich halt so. Würde ich alles am Stück schreiben, wären sicher nicht so viele drin, aber bei diesen Schnipseln hier im Blog… hihi.

  3. Suse says:

    Oh Mann – immer diese Cliffhanger… *g*. Da bekomme ich ja beim Lesen schon nervöse Zuckungen. Menno, die armen Pilze werden doch nicht zuletzt als Ragout enden…?!

    Ich will mehr *unschuldigguck*

    ;-))
    Suse

  4. illy says:

    Hi,

    ja und was ist nu passiert? Wann geht´s denn weiter?

    Liebe Grüsse
    illy
    *schon ganz neugierig