Jul 22

Das geheime Leben des Pilzes Heinz G. (14)

Tag: Pilzcontent,WorteBlasebalg @ 10:21

Der Fuchs war misstrauisch.
“Der Hügel? Erzähl keinen Quatsch. Du bist doch so ein Stinkpilz, die Sorte kenne ich.”

“Was soll das denn jetzt heißen? Stinkpilz? Ich glaub’s ja nicht”, Mo war außer sich, “du spinnst ja wohl, räudiges Pelzvieh! Ich bin ein ehrenwerter Pilz, genau wie jeder andere Pilz auch!”

“Ach ja? Ein ehrenwerter Pilz? Und was machen all die Fliegen da, die über deinen schleimigen Hut krabbeln? Sind die rein zufällig da? Dich riecht man schon hundert Sprünge gegen den Wind!”

“Heinz, nun sag doch auch mal was, Pilze sollten zusammenhalten. Diese pelzige Töle beleidigt mich und unsere ganze Art!”

Heinz fühlte sich ausgesprochen unwohl in seiner Haut. Der Fuchs war doch sein Freund. Aber Mo war ein Pilz. Als hätte er nichts Besseres zu tun. Mussten die beiden ausgerechnet jetzt anfangen zu streiten?

“Du widerlicher Stinkpilz!”
“Du verflohter Mottenfiffi!”

Heinz schloss die Augen und versuchte, nicht hinzuhören. Irgendwann würden sie schon aufhören.

“Würgepups mit Schleimhut!”
“Vierbeiniger Mäusefresser!”

Oder vielleicht auch nicht?

“Haltet den Mund! Alle beide!” Heinz legte all seine Autorität in seine Stimme. Und tatsächlich, es wurde still. “Hört auf damit. Ich halte das nicht mehr aus. Ist doch auch völlig egal, wer oder was hier stinkt. Mannomann.” Heinz war echt sauer.

“Kann halt nicht jeder ein Steinpilz sein”, brummelte Mo vor sich hin. Er war zwar gekränkt durch das, was der Fuchs ihm alles an den Kopf geworfen hatte. Aber so ganz unrichtig war es ja auch wiederum nicht gewesen. Er war nun einmal ein Vertreter der Stinkmorcheln. Was konnte er denn dafür? Nie hätte er gedacht, dass er hier oben auf so viel Ablehnung stoßen würde.
“Geht doch einfach alle weg”, rief er den Waldbewohnern zu, die um ihn herum standen und misstrauisch in seine Richtung äugten. Aber sie blieben. Nur die Fliegen, die über seinen schleimigen Hut krabbelten, spendeten ihm ein wenig Trost.

Der Fuchs hatte sich neben Heinz gesetzt und drehte Mo den Rücken zu.

“Was ist denn da hinten los? Wer ist da? Es müssen viele sein?” fragte Heinz seinen Freund.
“Ja, der halbe Wald ist hier”, bestätigte der Fuchs.
“Aber warum?”
“Na, weil dein Freund so bestialisch stinkt, die kommen alle gucken, was hier los ist.”
“Ach komm, jetzt lass Mo in Ruhe. So schlimm kann das schon nicht sein.”
“Doch, es ist schlimm. Ich hab ja schon viele Stinkpilze getroffen, aber der hier muss ihr König sein. Sowas hab ich echt noch nicht erlebt.”

Nachdenklich schaute Heinz auf den Boden. Eine ganze Armee kleiner Krabbeltierchen war schon die ganze Zeit unterwegs, viel mehr als sonst. Sie liefen an ihm vorbei, nach hinten rechts.

“Ist das normal, dass so viele Waldbewohner kommen, wenn eine Morchel reift?” fragte er den Fuchs. Schließlich hatte er eine solche Situation noch nie miterlebt.

“Nein, normal ist das nicht. Sag ich ja.”

“Hm.” Heinz dachte nach.

[Fortsetzung folgt]

Ein Kommentar zu “Das geheime Leben des Pilzes Heinz G. (14)”

  1. Garnprinzessin says:

    Ha, das habe ich mir doch irgendwie gedacht… :-) Weiter!

    Liebe Grüße von der

    Garnprinzessin