Jun 24 2010

Das geheime Leben des Pilzes Heinz G. (3)

Tag: Pilzcontent,WorteBlasebalg @ 17:42

Der Fuchs konnte sich das Grinsen nicht verkneifen. Es war nicht das erste Mal, dass er Heinz so reden hörte. Wahrscheinlich wäre es jetzt am besten, Heinz eine Weile in Ruhe zu lassen, bis sich seine Laune wieder gebessert hatte. Wenn er sich erst einmal in den Frust hineingeredet hatte, kam er da so schnell nicht wieder heraus.

Der Fuchs stand auf, reckte und streckte sich herzhaft und gähnte. “Ich mach mal meine Runde”, verabschiedete er sich und verschwand lautlos im Unterholz, ohne auf eine Antwort zu warten.

Heinz brummte nur etwas Unverständliches vor sich hin. Für ihn war der Tag gelaufen, kaum dass er begonnen hatte. Da trippelte er weg, dieser blöde Fuchs, der einfach nicht einsehen wollte, wie ätzend das Leben als Pilz war. Überhaupt schien das niemand außer ihm einsehen zu wollen. Nicht die anderen Pilze wie Matilda, nicht der Fuchs, und auch nicht Else, die da gerade mit ihrem Klemmbrett um die Ecke kam. Verdammtes Pilzleben!

“Na, wie groß sind wir denn heute?” fragte Else mit ihrer quatschigen Krötenstimme. Heinz konnte diesen dummen Spruch nicht mehr hören. Eine Zeit lang hatte er mit geistreichen Antworten gekontert. Aber irgendwann war ihm das zu blöd geworden. Jetzt ertrug er das tägliche Procedere stumm und mit zusammengeklemmten Lamellen.

Die Kröte murmelte unaufhörlich vor sich hin. “Aha, schon 9,74 cm groß. Hmhm. Da sind Sie ja seit gestern sehr passabel gewachsen, Herr G. Jaja. Nur immer weiter so.” Eine Notiz ins Formular.
“Und der Umfang, ja, nein, hm, das dürfte mehr sein, im Vergleich zum Längenwachstum ist das nicht besonders viel, hmhm.” Eine zweite Notiz.
“Sichtprüfung, hmhm, keine erkennbaren Fraßschäden, erstaunlich, es hat in letzter Zeit so viel geregnet, da sollten recht viele Schnecken unterwegs sein. Gut gut. Nur immer weiter so. Hmhm.” Eine dritte Notiz.
“Ein Prachtexemplar, Herr G., ja, das sind Sie, das kann ich nicht anders sagen, jaja. Machen Sie nur so weiter, aber vergessen Sie nicht, die Hutentfaltung passend zum Längenwachstum zu gestalten, hmhm, wie sieht denn das sonst aus? Jaja. Gut. Bis morgen, Herr G.”

Als Else endlich außer Sicht gewatschelt war, um den nächsten Pilz zu überprüfen, konnte sich Heinz ein verzweifeltes Seufzen nicht mehr verkneifen. Sollte sich die alte Kröte ihre Hutentfaltung doch sonstwohin schieben.

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Jun 19 2010

Das geheime Leben des Pilzes Heinz G. (2)

Tag: Pilzcontent,WorteBlasebalg @ 09:41

“Vergiss es, Heinz”, knurrte der Fuchs, der neben dem Pilz auf dem weichen Moos lag, und der genau wusste, was Heinz durch den Kopf ging. In einem eleganten Schwung legte er seinen buschigen Schwanz um sich. “Ihr Pilze seid nun mal nicht dafür gedacht, in der Weltgeschichte herumzuspazieren. Ihr steht herum, reift heran, bringt irgendwann eure Sporen unter die Leute und das wars dann.”

Heinz G. zog kräftig an der Zigarette, die er sich aus Fichtennadeln und einem herangewehten Buchenblatt gedreht hatte.

“Nimm es mir nicht übel, Fuchs, aber du redest genauso engstirnig und kleinkariert daher wie die Ausbilder im Myzel. Warum sollte es einem Pilz denn nicht möglich sein, die Beschränkungen hinter sich zu lassen, die ihm Tradition und Ausbildung vorgeben?”

“Zum Beispiel, weil ein Pilz fest im Boden sitzt und keine Füße hat?” entgegnete der Fuchs und warf Heinz G. einen schiefen Blick zu.
“Heinz, ich mag dich, wirklich. Man kann prima mit dir reden, aber diese >ich ziehe in die Welt und erlebe Abenteuer<-Geschichte, die solltest du dir endlich aus dem Kopf schlagen." Er legte den Kopf auf seine Vorderpfoten und schaute in das Tal hinunter.
"Und überhaupt ist das Rumgelaufe echt überbewertet. Sei froh, dass du dir dein Essen nicht erst erlegen musst."

Heinz G. zog an seiner Zigarette.
"Ich nehme es dir nicht übel, dass dir die nötige Vorstellungskraft fehlt", seufzte er.
"Es ist nur so, dass ein Leben als Pilz nicht gerade atemberaubend spannend ist. Das hier", er umfasste mit einer unbestimmten Geste den gesamten Ausblick, der vor ihnen lag, "das ist alles, was ich jemals zu Gesicht bekommen werde. Kannst du dir das vorstellen? Tagaus, tagein stehe ich hier, wachse und schaue mir dabei dieses verfluchte Tal an!"
Er nahm einen weiteren kräftigen Zug.
"Jeden Tag, von früh bis spät! Das hält doch kein normaler Pilz aus!"

"Es hätte schlimmer kommen können", warf der Fuchs ein, der die Aussicht über das Tal gar nicht so schrecklich fand. "Immerhin fliegt ab und zu ein Habicht oder ein Schwarm Krähen durch das Tal, und du kannst den Lauf der Sonne beobachten. Matilda, hinten am Weiher, hat einen weit schlechteren Platz erwischt. Sie schaut von früh bis spät auf die Unterseite einer verrosteten Blechdose. Aber sie trägt es mit Fassung, ich habe sie noch nicht ein einziges Mal jammern hören."

"Matilda", knurrte Heinz G. und schnippte die Kippe in den Wald hinter sich. "Matilda ist ein Fliegenpilz. Was erwartest du von jemandem, der den ganzen Tag zugedröhnt ist?"

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Jun 18 2010

Das geheime Leben des Pilzes Heinz G. (1)

Tag: Pilzcontent,WorteBlasebalg @ 13:06

Wäre Heinz G. ein Pilz wie jeder andere gewesen, er hätte sich eine Menge Ärger ersparen können. Vielleicht wäre er sogar etwas länger am Leben geblieben. Doch Heinz G. hielt nicht viel davon, ein Pilz wie jeder andere zu sein, und in gewisser Weise schloss das mit ein, dass er wusste, wie es eines Tages enden würde.

Äußerlich unterschied sich Heinz G. durch nichts von anderen Pilzen. Täglich, seit er aus seiner kalten, unterirdischen Kinderstube nach oben durch den Waldboden gebrochen war, ging er seinen Aufgaben als Pilz nach. Er hatte einen guten Standort erwischt, nahe dem Waldrand, mit einer grandiosen Aussicht über das angrenzende Tal und die Steinformation, die den eigentümlichen Namen “Ketzerstein” trug. Die mächtigen alten Nadelbäume über ihm schützten ihn vor der prallen Sonne und sorgten für kühlen, feuchten Schatten.

Sobald morgens die ersten einzelnen Sonnenstrahlen durch das dichte Dach der Fichten drangen und die taubedeckten Spinnweben zum Funkeln brachten, reckte sich Heinz G., rieb sich den Schlaf aus den Lamellen und begann mit dem Wachstum. Das war sein Daseinszweck und alles, was er derzeit zu tun hatte: Wachsen, Reifen, und schließlich Sporen ausbilden, die der Wind irgendwohin tragen würde, um neue Generationen von Pilzen zu ermöglichen.

Heinz G. hatte allerdings noch nie viel für den Gedanken übrig gehabt, dass nach dem Aussenden von ein paar Millionen Sporen alles vorbei sein sollte. “Wachsen, Säen und Vergehen”, das hatten seine Ausbilder ihm wieder und wieder eingehämmert. Für die anderen mochte das ein passender Sinnspruch sein. Für ihn gewiss nicht. Doch andererseits wusste er nicht, wie er es hätte verhindern sollen, denn nur dafür war er ausgebildet. Lektionen in Geographie, Mathematik oder Philosophie hatten nicht auf seinem Lehrplan gestanden, bevor er nach oben geschickt worden war.

So stand er also da, blickte Tag für Tag in das Tal hinunter und überlegte, welche Möglichkeiten er hatte, seinem Schicksal zu entrinnen.

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Jun 17 2010

Eine Fragen an Sie. Die Lesenden.

Tag: Pilzcontent,WorteBlasebalg @ 17:16

Im Jahr 2004 auf einem Waldspaziergang geschah es, dass ich während des fotografischen Porträtierens von Gepilz die Eingebung zu einem Buchtitel hatte. Das geheime Leben des Pilzes Heinz G.

Ich hatte das schon fast verdrängt, aber gestern war ich auf der Suche nach einem Notizblock. Ich fand auch einen, und als ich ihn durchblätterte, um ein leeres Blatt zu finden, stieß ich auf den Anfang eben jener Geschichte. Ich hatte völlig vergessen, dass ich tatsächlich damit angefangen hatte. Nun stellt sich mir die Frage: Schreibe ich die Geschichte zu Ende? Stelle ich den Anfang der Geschichte hier ein? Schließe ich den Notizblock wieder weg, meinen Nachfahren zum Geschenk?

Wollen Sie die Geschichte lesen?


Jun 07 2010

Gimme Hope, Joachim!

Tag: Guck malBlasebalg @ 22:10


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