Sep 03

Für Frau Staubkörnchen

Tag: Aktion der Woche,MetaBlasebalg @ 13:42

Liebe Frau Staubkörnchen,
in einem Kommentar zu meinem Kommentar in Ihrem Blog fragten Sie etwas, was ich mir mal an dieser Stelle zu beantworten erlaube; ich könnte mir vorstellen, dass es nicht nur Sie interessiert.

PS: Jetzt muss ich Sie doch mal fragen, Frau Blasebalg… Wieso siezen sie Ihre Leser denn eigentlich? Wenn ich mich so durch Ihr Blog lese, dann haben sie das wohl nicht immer getan, oder? Finden sie es einfach höflicher, weil man seine Leser ja nicht persönlich kennt, oder machen sie es, weil es irgendwie “cool” und was anderes ist? Oder weil “Du, Frau Blasebalg” sich zu sehr nach Kindergarten anhören würde?

Das ist nicht ganz so einfach zu beantworten. Oder vielleicht doch. Ich versuche es mal.

Als ich vor vier Jahren mit dem Bloggen begonnen habe, tat ich das in einem Umfeld von anderen Blogs, in denen das Siezen üblich war. Als Stilmittel, weil es irgendwie besonders war. Und in einem Umfeld, in dem es auch üblich war, sich gegenseitig mit “Frau [Bloggerin]” oder “Herr [Blogger]” anzusprechen. Warum und wie das ursprünglich aufgekommen war, entzieht sich meiner Kenntnis, die Frau Blasebalg wurde da einfach hineingeboren, wenn man das so sagen kann.
Wenn ich im Blog-Umfeld in der Vergangenheit jemanden geduzt habe, dann war das entweder in geistiger Umnachtung, oder weil es ganz besonders wichtig war – in der Regel duze ich hier niemanden. (Sollte es so eine Phase tatsächlich mal gegeben haben, dann habe ich sie verdrängt.)

Das ist anders, wenn ich mit jemandem Mails austausche – auch mit Blog-Leserinnen, die ich hier weiterhin sieze; in der Mail duze ich sie. Ich denke, der Unterschied ist einfach der: Frau Blasebalg ist etwas anderes als die Person, die dahinter steht. Also ich. Ich bin nicht Frau Blasebalg und Frau Blasebalg ist nicht ich. Sie ist eine Rolle. Oder vielleicht besser: ein Aspekt von mir. Ein Aspekt, der sich auf bestimmte Art und Weise ausdrückt. Der keine Smileys benutzt (außer in ausgesprochenen Ausnahmefällen oder auch schon ein, zweimal aus Versehen). Der sich anders anfühlt als ich. Wenn ich blogge, bin ich Frau Blasebalg und sage “Sie”. Wenn ich maile, bin ich Angela und sage “Du”.

Und weil das seit vier Jahren so ist, würde es sich für mich falsch anfühlen, wenn Frau Blasebalg jetzt plötzlich Leute duzte (das fühlt sich schrecklich genug an bei Ravelry, denn das ist ein Zusammenhang, in dem ich die Leute lieber duze, aber dummerweise bin ich dort auch als Blasebalg angemeldet, und das ist ein Konflikt, der tatsächlich dazu führt, dass ich das Sie oder Du nach Möglichkeit vermeide).

Hm.

Klingt seltsam?

Vielleicht auch nicht.

Egal – es ist so. Und damit ist dieser hier zugleich mein Beitrag zur aktuellen Wochenaktion.

4 Kommentare zu “Für Frau Staubkörnchen”

  1. Ev says:

    Das ist ein sehr interessanter Exkurs in die Welt der Wirkung und des Wirkens, der in
    mir ein großes Nachdenken auslöst.

    Ich mag das “Sie”, kann mich in Blogland nur nicht zu einer konsequenten Durchsetzung
    durchsetzen, weil sich fast alle Welt duzt. In Ihrem Fall ist meine Nutzung auf Blog die
    Sichtbarmachung absoluter Wertschätzung und daher äußerst gerne verwendet.

    Im wahren Leben frage ich bei “jungen” Leuten, ich meine so ab ca. 15, ob ich noch “Du”
    sagen darf. Bei allen drüber sieze ich konsequent durch, bis sich ein andere Situation
    ergibt. Hat was mit meiner strikten Erziehung und mit Respekt vorm Gegenüber zu tun und
    so kann ich mich siezen und siezen und siezen, bis es dem Gegenüber zu blöd wird oder
    auch nicht ;-) .

    Herr Ev ist in dieser Beziehung übrigens das stringente Gegenteil von mir und duzt sich
    schon, während ich, naja, siehe oben und so weiter.

    Naja und wem jetzt noch eine Weisheit zum Thema fehlt, dem sei der Grundsatz von Papa Ev
    gewidmet: “Du Arschloch sagt sich wesentlich einfacher als Sie Arschloch.” Ein Hoch
    auf die professionelle Distanz, die halt auch ihre Daseinsberechtigung hat.

    Wünsche Ihnen einen schönen Tag!

  2. Jinx says:

    Liebe Frau Blaseblog,

    ich gehöre ja zu denen, die in der virtuellen Welt das “Du” pflegen und sich selbst auch duzen lassen, von der 80-jährigen Userin bis zum Kind, das online ist. In Hamburg bin ich oft im Schanzenviertel, wo ich mal gewohnt habe (als es noch lustiger und dafür weniger schick war) und auch auf dem Kiez unterwegs, und da gibt es viele Geschäfte, deren Personal alle duzt, die hereinkommen, u. a. mein Lieblings-Käseladen). Das Phänomen, das Sie beschreiben, ist mir jedoch aus dem echten Leben bekannt; zwei ehemalige Kollegen, die um die dreißig waren und sich menschlich so gut verstanden, dass sie sich anfreundeten und auch außerhalb der Arbeit trafen, um etwas zu unternehmen, blieben hartnäckig beim “Sie” und “Herr …”. Alle anderen duzten sie. Sie begründeten ihr Verhalten damit, dass es eigentlich keinen konkreten Grund gäbe, es sich aber irgendwie “richtiger” anfühlte in diesem Fall. Beide waren sehr sympathisch, und mir hat gefallen, dass sie es einfach so gehandhabt haben, wie es ihnen gefällt, ohne sich darum zu kümmern, dass es nicht dem allgemein Üblichen entsprach. Und daher, meine liebe Frau Blaseblog, bleibe ich auch bei Ihnen beim “Sie”, da es Ihnen offensichtlich so lieber ist (sonst würden Sie es nämlich nicht tun) und da ich weiß, dass es nicht immer ein Zeichen von großer Distanz ist – eigentlich, da gebe ich Ihnen recht – ist es egal.

    Generell duze ich Leute im Privatleben lieber als im Berufsleben; ich war mal in einer Firma, wo der erste Satz, wenn man seine Arbeitsstelle antrat, “wir sagen hier alle du – vom obersten Chef bis zum Praktikanten” lautete. Das hörte sich wunderbar demokratisch und modern an, war es aber nicht, da das übrige Gebaren mit diesem lockeren Brauch nicht konform ging. Und als ich meinem Chef mitteilte, dass ich meinen Vertrag nicht für Geld und gute Worte verlängern würde (es war eine Zumutung), da hätte ich – im übertragenen Sinne – lieber “Sie Arschloch” als “Du Arschloch gesagt.”

    Viele Grüße
    Jinx

  3. Platypus says:

    Wenn Sie nur mal kurz vorbeischauen möchten, ich hab Ihnen in meinem Blog ein bisschen Lob hinterlassen!
    Lieben Gruß vom Platypus

  4. staubkoernchen says:

    Vielen Dank für diesen Beitrag mit so ausführlicher Antwort. Ich fühle mich eher wohl, wenn ich geduzt werde, bis auf die ein oder andere Ausnahme. Im Studium fand ich es gut, von meinen Profs gesiezt zu werden, obwohl ich mich da super wohl gefühlt habe…