Jan 19
Nicht erfroren im Eishotel!
Liebe Lesende,
ich bin wieder im Lande.
Eigentlich war ich auch gestern schon wieder im Lande, aber ich war noch nicht fähig, mich in irgendeiner Form in die Öffentlichkeit zu begeben. Weder persönlich noch digital.
Schön wars.
Wir haben kein Nordlicht gesehen, aber dafür hat uns der Himmel andere Farben beschert, die mich mindestens ebenso begeistert haben. Da ich das Nordlicht persönlich noch nicht kenne, darf ich das so sagen. Kennte ich es, es wäre anders. Nehme ich an. Egal.
Ich habe viel gelernt auf dieser Reise. Zum Beispiel, wie man sich das vorzustellen hat, wenn die Sonne nicht richtig aufgeht. Im Prinzip geht ein stundenlanger Sonnenaufgang nahtlos in einen stundenlangen Sonnenuntergang über. Es ist nicht dunkel, aber das Tageslicht hält nur vier oder fünf Stunden, dann wird’s schon wieder dunkel. Dank einiger Hügel haben wir die Sonne während des gesamten Aufenthalts in Jukkasjärvi nicht einmal zu Gesicht bekommen. Aber diese Farben … traumhaft. Pastellrosa in Pastellhellblau.
Weiterhin kann ich jetzt endlich die verschiedenen skandinavischen Hauptstädte korrekt den Ländern zuordnen. Das brachte ich vorher immer durcheinander. Aber dank Zwischenlandungen in Stockholm und Kopenhagen kriege ich das jetzt hin. Der Kopenhagener Flughafen ist übrigens saumäßig schön. Mit dunklem Holzboden.
Saumäßig schön ist auch das Eishotel in Jukkasjärvi. Ich zeige Ihnen hier kein Foto, weil ich keine gemacht habe. Es reicht, dass Herr Spektakel 850 Bilder geschossen hat. Wenn die halbwegs durchgeschaut und ausgewählt sind, kann ich bestimmt das eine oder andere hier zeigen. Während wir unsere vierte Übernachtung bei muckeligen -5 Grad Celsius auf Rentierfelle gebettet in einem Snowroom verbrachten, knisterte der Schnee draußen in erfrischenden -27 Grad Celsius, sagt das Diplom, das uns bestätigt, die kalte Nacht überlebt zu haben. Sind Sie schon mal in Unterwäsche bei -27 Grad durch die Gegend gelaufen? Gut, es waren nur ein paar Meter vom Dressing Room zum Hotel, und man hatte seinen warmen Schlafsack über den Schultern, und die Unterwäsche war natürlich lang … ach, letztendlich ist es wirklich halb so wild. Solange man nicht ne halbe Stunde draußen rumsteht, hält man das wirklich erstaunlich gut aus. Und auch die Nacht war nicht so schröcklich, wie ich zunächst befürchtet hatte. Klar, es ist kalt im Schneezimmer, aber man liegt ja im Schlafsack. Und wenn man fleißig mit dem Gesicht das Guckloch im Schlafsack verschließt, bleibt’s auch warm darin. Wenn man sich natürlich wie Frau Blasebalg gelegentlich zur Gänze im Sack zusammenrollt und das Loch dadurch offen lässt, zieht es kalt rein – und dann muss man sich nicht wundern, wenn man ein wenig fröstelt. Aber ganz ehrlich, ich hatte schon ungemütlichere normale Schlafsacknächte beim Campen.
Weiters habe ich gelernt,
- dass Schlittenhunde gern mal ein Lüftchen entweichen lassen, wohl um den Touristen auf diese Weise mitzuteilen, was sie von ihnen halten,
- dass die Bahnstrecke von Kiruna nach Narvik auf den letzten paar Kilometern ausgesprochen pittoresk ist, da man direkt in einige Fjorde hineinguckt,
- dass die Schweden ausgesprochen viel und gerne heizen,
- dass eingelegter Hering zum Frühstück lecker ist,
- dass mir Winterurlaub richtig Spaß macht,
und noch wahnwitzig vieles mehr, was mir hier jetzt gerade gar nicht alles einfällt.
Jetzt fällt es mir ein wenig schwer, wieder in den Alltag zurück zu finden, aber das ist ja oft so, wenn man von einer eindrucksvollen Reise zurückkehrt, auch wenn sie nur kurz war.
Ach so, wenn Sie mal gucken wollen: Icehotel in Jukkasjärvi






Januar 20th, 2010 at 11:24
Oh, das liest sich sehr wunderprächtig!
Mal ehrlich: es würde auch mich reizen auszutesten, wie ich damit umgehen würde, wenn es so knallekalt
ist & nicht richtig wirklich hell & dunkel wird, wie wir es hier kennen. Alles in allem hoffe ich, das mal
erleben zu dürfen und auch wenn ich den Gedanken daran, auf Schiffen zu sein, so überhaupt nicht leiden
kann, würde es mich reizen, mal eine Hurtigroutentour mitzumachen.
Bin halt ein Winterkind :D.
Schön, dass Sie wieder da sind!
Herzliche, Ev