Aug 29

Tipps gesucht

Tag: BefindlichkeitenBlasebalg @ 08:24

Wenn Sie gelegentlich an sich selbst arbeiten, haben Sie vielleicht einen Tipp für mich. Ein persönliches Erfolgsrezept. Ein geheimes Wundermittel. Wie auch immer.

Die Situation:
Ich fühle mich mies, weil ich Sache X nicht gut gemacht habe. Ich bin nicht sicher, was der Fehler war, ob er an mir lag, oder ob ich gar nichts dafür konnte, das ist letztlich auch egal. Ich könnte es noch einmal probieren, so lange, bis es gut klappt.

Das Mies-fühlen kommt also nicht primär von der Sache X. Sondern vielmehr daher, dass ja andere die Sache X sehen können, und ich weiß vermute, dass diese Leute den Fehler sofort sehen und auch wissen, was ich falsch gemacht habe falsch gelaufen ist. Und jetzt (und das ist das eigentliche Problem) behauptet irgendetwas in mir, dass diese Menschen mich dieses Fehlers wegen geringschätzen/für blöd halten/hassen.
Das geht dann so weit, dass ich, statt hinzugehen und irgendwas zu tun, in völliger Erstarrung versinke und so tue, als sei ich gar nicht da. Kaninchen vor der Schlange.

Ich sehe das. Ich beobachte es an mir. Ich spüre, wie ich erstarre. Ich kann neben mir stehen und mir das erklären, so wie ich es eben aufgeschrieben habe. Ich weiß, dass die Schlussfolgerung, dass die anderen mich hassen, allerhöchstwahrscheinlich Bullshit ist. Da bin ich mir zu 99% sicher. Aber ich kann auch die grauselige Angst sehen, dass ich vielleicht doch danebenliege, immerhin ist da eine 1%ige Chance, dass es halt doch so ist.

Wie kommt man aus sowas raus? Ich weiß, wo diese dämliche Schlussfolgerung herkommt, dass sie sehr alt ist und tief verwurzelt, dass sie aber falsch ist, zumindest ist es falsch, sich vollkommen von der Angst davor lähmen zu lassen, aber all das Wissen darum hilft nicht, das Gefühl loszuwerden.

Wie wird man alte, überkommene Glaubenssätze los, die einem heute nur noch hinderlich sind? Ideas, anyone?

10 Kommentare zu “Tipps gesucht”

  1. Sarah says:

    Hallo,
    ich bin sonst nur stille Mitleserin, aber dieser Artikel hat mich zu sehr an mich selbst erinnert…
    Ich hatte wie gesagt eine ähnliche Einstellung zu Dingen, die ich erledigt habe (beruflich wie privat). Nie war etwas gut genug (natürlich nur für mein Empfinden) und wehe, es ist etwas schief gegangen, was andere auch noch sehen konnten…
    In den Griff habe ich das nur in kleinen Schritten bekommen. Zunächst habe ich mich abends hingesetzt und habe mir aufgeschrieben, wie ich meine, dass ich die Dinge erledigt habe, aufgesplittet nach positiven und negativen Punkten. Und wenn man dies ehrlich macht, wird am Anfang wahrscheinlich mehr Schlechtes auf den Zetteln stehen, weil man es selbst so einschätzt/empfindet, aber auch ein paar positive Punkte. Für mich war es sehr hilfreich, die positiven Punkte auf Papier zu sehen, dann waren sie irgendwie echter oder wahrer. Und mit der Zeit hat es sich ganz automatisch ergeben, dass ich mehr positive Punkte aufschreiben konnte und diese auch tatsächlich geglaubt und verinnerlicht habe und dafür auch einstehen kann – auch wenn man mal was schief geht! Man hat den Rest doch ganz gut gelöst…
    Liebe Grüße,
    Sarah

  2. Ciaran says:

    Eigentlich kann man nur hingehen und schauen, ob die Leute einen wirklich hassen. Anders gibt es keine Gewissheit.
    Meistens hassen sie einen nicht oder es gibt zwei Tage lang dumme Sprüche und dann ist es vergessen.
    Manchmal rufe ich auch eine gute Freundin oder sogar eine Arbeitskollegin an, mit der ich mich gut verstehe, und frage: “Wie siehst du das? Ich fühle mich schlecht, weil…”
    Das habe ich vor wenigen Tagen erst gemacht. Ich fühlte mich danach noch immer blöd, aber ein kleines bisschen besser, und das ist manchmal schon eine Menge wert.

  3. Ev says:

    Zitat: “Und jetzt (und das ist das eigentliche Problem) behauptet irgendetwas in mir,
    dass diese Menschen mich dieses Fehlers wegen geringschätzen/für blöd halten/hassen.
    Das geht dann so weit, dass ich, statt hinzugehen und irgendwas zu tun, in völliger
    Erstarrung versinke und so tue, als sei ich gar nicht da. Kaninchen vor der Schlange.”

    Mir hat das Bewusstwerden geholfen, dass Dritte immer reden werden. Egal, ob ich Alles
    richtig mache, egal ob ich Alles oder nur ein bisserl falsch gemacht habe. Sie reden
    immer, denn man hat nie einen Einfluss darauf, dass das, was man eigentlich macht, sagt,
    denkt, auch wirklich beim Gegenüber so ankommt, wie es für einen selbst richtig ist. Und
    wer dürfte von uns verlangen, dass wir nie Fehler machen dürfen? Die gehören zum Lernen
    doch dazu!

    Wenn also sowie geredet werden wird, und das ist so, dann kann ich mich sehr guten
    Gewissens für meine Richtung entscheiden, ich muss zufrieden sein, ob es die anderen
    sind: s.o., usw., etc. – das ist deren Sache.

    Das, verkürzt dargestellt, hat mir dabei geholfen, mich nicht mehr nach jeder meiner
    Entscheidungen, nach jedem evtl. Fehler dadurch selber wahnsinnig zu machen, das ich
    mich fragte, was denken die jetzt nun?!

    Das und der Satz von Herrn Ev, der nur ein Grund ist, warum ich ihn allen anderen
    möglichen Ehemännern vorziehe:

    “Nur der kann fallen, der gestanden hat!”

    Frau Blasebalg, sie stehen, zumindest, das für dass sie hier virtuell lesbar sind, ist
    einzigartig für mich! Glauben Sie an sich, denn leben fängt nicht ohne Grund wie lernen
    mit le… an!

    Ich wünsche Ihnen Menschen, die sie nicht wegen Ihren Fehlern verurteilen, sondern
    Ihre Kreativität, Ihre Fähigkeit zur Inspiration und Ihre Vitalität schätzen können!

    Herzlichste Grüße von der Ev

  4. Monika says:

    Hui das ist aber eine schwere Frage. Also persönliche Erfahrungen von mir:
    1) Die Fehler die uns selbst am meisten stören sehen die anderen meistens gar nicht mal.
    2) Wie hier auch schon erwähnt, geredet wird immer egal ob man eine Sache so oder so macht.
    3) Wenn man etwas für sich mit gutem Gewissen als bestmöglich erledigt abhaken kann und andere meinen es wäre nicht gut genug sol sollen die es doch erst einmal besser machen. Und vor allen Dingen Tips geben wie es besser geht.
    und letztendlich der 4 und für mich wichtigste Punkt
    Über sich selbst lachen können. Was meinen Sie wie peinlich es ist *flüstermodus an* als nicht gerade sehr groe Frau in sichtweite einer Imbißbude beim Abbocken des Motorrades vom Hauptständer mit dem Ding umzufallen *flüstermodus aus* Wissen Sie was ich getan habe ? Bin lachend zur Imbißbude gegangen und habe gesagt “Hey Jungs jetzt habt ihr euren Spaß gehabt und bevor ihr jetzt über Frauen und Motorräder lästert hebt doch bitte einer von euch meine Maschine auf. Den Gaudi zu sehen wie cih mich damit abmühe gibt es heute nämlich nicht.
    also kopf hoch und nicht zu viel grübeln. Das gibt Falten -sagt zumindest meine Mutter
    lg Monika

  5. Jule says:

    Meine Mam (eine weise Squaw) hat mir mal gesagt: “Wenn du etwas machst, dann mach es gleich richtig, dann brauchst Du es nicht noch einmal machen!”
    Etwas richtig machen bedeutet für mich: Mit den Händen, dem Herzen und meinem Verstand bei der Sache zu sein! Etwas so gut machen, wie ich nur eben kann. Und wenn mir eine Sache wichtig ist, dann mache ich es auch genau so.
    Und wenn ich (oder andere) dann noch einen Fehler finden, dann kann ich auch vor meinem geistigen Staatsanwalt sagen: “Ich habe alles gegeben, was ich in dem Augenblick konnte! Auch mit diesem Fehler kann ich zufrieden sein und muß mich nicht schämen, weil ich mich aufrichtig bemüht habe!”
    Niemand kann immer alles 100%ig machen. Wenn man immer versucht sein Bestes zu geben, dann muß das reichen.

    Und was die anderen Menschen angeht: Es scheint in unserer Natur zu liegen, Fehler gleich zu entdecken und manche Leute können nicht anders, sie müsse die Nase rümpfen. Laß sie! Du kannst es nie, niemals allen recht machen.

    Und wenn Du Dir jetzt sagst, daß Du Dich bemüht hast und alles so gut gemacht hast, wie Du es in dem Augenblick konntest, dann ist Deine Arbeit in Ordnung und laß sie so.

    LG Jule

  6. Gila says:

    Liebe Frau Blaseblog,
    so etwas passiert mir auch manchmal. Aber mittlerweile hab ich das ganz gut im Griff. Ich denke mir: Augen zu und durch. Was ich tun muss, muss ich tun. Und zwar entweder alles so lassen, wie es ist. Oder aber auch “reparieren”. Dann steh ich halt dazu und sag, ich bin selber nicht damit zufrieden, ich machs nochmal. Ob jemand schlecht über mich denkt (repariert oder nicht), ist mir ziemlich egal – ich muss mir ja im Spiegel in die Augen sehen können und hinter dem stehen, was ich tue (oder eben auch nicht tue)!

    Ein angenehmes Wochenende wünsch ich Ihnen
    liebe Grüße – Gila

  7. Sonja says:

    Oh, da liefer ich gern ein paar Gedankenanstöße, ich habe das Thema sehr früh in meinem Leben abgehakt :-)
    - es kommt nicht darauf an, wie die anderen zu einem stehen, es kommt ganz allein darauf an, wie man selbst zu sich (und seinen Fehlern) steht
    - die anderen sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um über ihre Außenwelt nachzudenken
    - Worst-Case-Szenario: was wäre, wenn Sie mitbekommen würden, dass die anderen Sie tatsächlich abgrundtief hassen? Wie würden Sie reagieren?
    - who cares????
    - Um es mit den Ärzten zu sagen “Lass sie reden, das ham sie immer schon getan”
    Ok, ich bin durch die harte Schule eines 180-Seelen-Ortes gegangen, das kann nicht jeder ;-) Aber das Schlimmste, was passieren kann, hat sich auch irgendwann von selbst erledigt :-)

    Und wenn’s ein Strickfehler war: it’s not a bug, it’s a feature ;-)

    Lg
    Sonja

  8. Heike says:

    Liebe Frau Blasebalg, meine Mediatorin und Kommunikationstrainerin sagt in so einer Situation zu mir immer: Woher weißt du das denn??? ( Das ich etwas Falsch gemacht habe und die Anderen schlecht denken) Und dann weiß ich nur eine Antwort: ich weiß es tatsächlich gar nicht! Sieht du, sagt sie dann, kein Grund sich Gedanken zu machen, sondern Selbstbewußt zu meinem Handeln stehen, und Fehler gibt es ihrer Meinung nach keine, höchstens in der Mathematik, wo 2+2 eben 4 ist.
    Immer wieder holt sich mich damit ein und immer wieder muss ich das auch üben. Nicht bewerten, nicht pauschalisieren, nicht typisch denken…es fällt mir schwer, aber manchmal klappt es auch und dann bin ich froh.
    Kopf hoch und herzliche grüße Heike

  9. Jinx says:

    hm, schwierig. Ich bin so einen Quatsch durch Beobachtung losgeworden, indem ich genau hingesehen und gemerkt habe, dass andere so etwas völlig unterschiedlich wahrnehmen, ganz anders als man selbst. Das entspannte ungemein.

    viele Grüße + Kopf hoch! Sie nennen es Fehler, andere Persönlichkeit und Individualität. ;)
    Jinx

  10. antje says:

    und, was interessiert es mich ob mich Leute für blöd halten/hassen/gering schätzen? nix. Mich interessiert nicht was Leute von mir denken und halten. Punkt.
    Das ist nur wichtig bei Menschen, die mir wichtig sind. Wohlgemerkt: mir wichtig sind und NICHT (angeblich) für mich wichtig sind.