Jan 25

Frau Blasebalg bewertet sich neu.

Tag: Befindlichkeiten,MammonBlasebalg @ 09:53

Gestern habe ich ein bereits vereinbartes Bewerbungsgespräch abgesagt.
Die Bewerbung liegt schon ein halbes Jahrhundert zurück, das war noch im Oktober, weiß der Geier, warum sich das so lange hingezogen hat. Wie auch immer, sie wollten mich sprechen, und für heute nachmittag war das Gespräch angesetzt.

Ganz glücklich aber war ich gar nicht darüber. Gerade jetzt, wo ich mich zum Hierbleiben und Eierlegen eingerichtet hatte. Kurz bevor wir die neue Wohnung beziehen, kurz bevor wir die Küche dafür bestellen, kurz nachdem die neuen Vermieter schon andere Interessenten unseretwegen abgewiesen haben. Das alles sind zwar Argumente, aber wenn das doch der Traumjob wäre, im Allgäu, also in Süddeutschland, wo ich eh mittel- bis langfristig wieder hin will – kurz und gut, nach kurzem Bauchgrimmen wegen der Wohnung etc. war ich bereit, das alles über Bord zu schmeißen und den Job anzunehmen, wenn er denn gut wäre.

Das Bauchgrimmen kam aber wieder. Ich war sauer. Ich hatte schon den heutigen Tag freigenommen, den Termin vereinbart, aber irgendwas stimmte nicht. Mein Chef in spe war am Telefon maulfaul und unsympathisch. Aber am Telefon kommen Leute manchmal anders rüber als sie sind. Den halben Tag habe ich hin und her überlegt, was es ist, das nicht stimmt. Bis es mir schließlich eingefallen ist.

Ich habe ein Uni-Diplom mit gar nicht so übler Note. Ich habe mehr als 8 Jahre Berufserfahrung. Mein Lebenslauf liest sich verdammt gut, finde ich. Und dann verlange ich ein Gehalt wie ein Berufseinsteiger, und fühle mich noch frech dabei.

Gut, dass die Leute da schon in der Bewerbung die Gehaltsvorstellung wissen wollten. Sonst hätte ich mir da bisher nur diffuse Gedanken gemacht und wäre heute hingefahren. Besser so. Ich hab mal ein bisschen im Netz recherchiert. Ok, es gibt Firmen in unterschiedlichsten Größen, und für den gleichen Job im Weltkonzern bekommt man sicher mehr als bei der 5-Mann-Firma; aber verdammt noch mal, ich glaube nicht, dass man bei einem einigermaßen großen Mittelständler nur die Hälfte des Durchschnittsgehalts für diese Position verlangen sollte. Die Hälfte! Bin ich denn total bescheuert? Was hat mich da geritten, dass ich auch noch dachte, das wäre schon eine vermessene Höhe? Zumal es noch nicht mal so wahnsinnig viel mehr war als ich zuletzt verdient habe?
Der jetzige Job zählt nicht. Da verdiene ich auch nicht mehr, aber das ist geistig nur ein Halbtagsjob, insofern gut bezahlt.

Nee, hab ich mir gedacht. Aus der Nummer komm ich nicht mehr anders raus, als die Bewerbung zu canceln. Das kommt nicht gut, wenn man da hinfährt und sagt “hört mal Jungs, ich hab zwar XY geschrieben, aber eigentlich will ich jetzt doch das Doppelte haben”. Kommt gar nicht gut. Und außerdem war der Chef ja ein maulfauler Unsympath, und sowas brauch ich nicht schon wieder, nee danke.

Ich bewerte mich neu. Beim nächsten Mal verlange ich, was ich dem Papier nach verlangen kann, und nicht nur einen kleinen Pups mehr als bisher. Weil ich es mir wert bin. Punkt.

2 Kommentare zu “Frau Blasebalg bewertet sich neu.”

  1. SingleMama says:

    Richtig so!!!

  2. liebesblüte says:

    immer erwähnen, daß man erst seine Vorstellungen über das Geld nach einem persönlichen Gespräch gibt. Du willst schließlich wegen des Geldes dorthin sondrn wegen der Firma, der Aufgabe und wegen der Stimmung mit Chef und Kollegen…u.u.u.