Okt 07
Ein bisschen Gejammer
Ich sitze im Bett, auf dem Schoß ein Regalbrett, das mir als Schreibtisch dient, denn das Laptop direkt auf der Bettdecke ist wärmetechnisch ungünstig. Und auch die Maus rutscht besser auf dem Brett.
So nach und nach verdichten sich die Hinweise darauf, was ich eigentlich habe. Mal abgesehen von den Panikanfällen, die sich immer wieder dazwischenschieben. Zur Zeit sieht es jedenfalls nach einer schönen Bronchitis aus. Immerhin muss ich seit gestern Husten und Röcheln, und das Atmen tut weh. Das hat den weiteren Vorteil, dass mir das Herzbumpern nicht mehr so auffällt, weil das Atmen-weh-tun schlimmer ist. Das Prinzip des Gegenschmerzes sozusagen. Das EKG gestern war jedenfalls noch genauso auffällig wie in der Woche davor, aber immerhin spricht es gegen meine heimliche Befürchtung, dass sich das ganze Theater am Ende doch als Lungenembolie entpuppt. Aber dann wäre die Rechtsherzbelastung im EKG sichtbar, also kann es das eigentlich nicht sein. Für den Moment bin ich beruhigt.
Nächste Woche steht ein Termin beim Kardiologen an, mal sehen, was der zum Bumpern sagt.
Insgesamt bin ich ziemlich genervt und gefrustet. Ich kann damit umgehen, wenn ich einen Schnupfen habe, einen Beinbruch oder sonstwas eindeutiges. Aber diese diffusen Geschichten, von denen mir keiner so richtig sagen kann, was es eigentlich ist, sorgen immer wieder für Panikschübe. Nächtelang habe ich mit Telefon in Reichweite geschlafen, damit ich Hilfe rufen kann, falls ich nachts aufwache und merke, dass ich am Abnippeln bin. Im Moment kommt mir das selbst albern vor. Aber Angst ist stark. Als ich letzthin im Zug saß, auf dem Weg zum vierten Block meiner Ausbildung, und das erste Mal mein Kreislauf total verrückt gespielt hat, mein Herz gebumpert und ich ohne Ende kurzatmig war, gingen mir echt dämliche Gedanken im Kopf rum. Sowas wie “Mist, ich wollte doch noch eine Lebensversicherung abgeschlossen haben, was macht denn Herr Spektakel sonst, wenn ich nicht mehr wiederkomme?”. Oder “Bis zum nächsten Bahnhof muss ich noch durchhalten, wenn ich auf dem Bahnsteig zusammenbreche, kann schneller ein Notarzt kommen.” Oder “Hat da nicht grad meine linke Gesichtshälfte gekribbelt? Schlaganfall? Kann ich noch sprechen? Hängt mein Augenlid nicht ein wenig runter?”
Ja, so dumme Gedanken trägt das Balg gelegentlich mit sich rum. Derzeit halte ich mich an der Diagnose Bronchitis fest, huste kräftig und bleibe im Bett, schlucke bunte Pillen, vermeide alles koffeinhaltige und warte. Ich möchte mich gern wieder einfach ganz normal fühlen. Ich mag mich so nicht.
Vielleicht ist das der Grund, warum ich es habe. Damit ich lerne, mich auch damit zu mögen? Keine Ahnung. Drecksscheiße.






Oktober 8th, 2009 at 13:58
Ich wünsche Ihnen jedenfalls gute Besserung an dieser Stelle. Wer fühlt sich denn schon gerne krank *knuddel*
LG Mona
Oktober 8th, 2009 at 18:21
Von mir auch Gute Besserung. Ich kann’s nachfühlen, wenn man was hat und nicht weiß, was es ist.
Liebe Grüße, die Ruth
Oktober 9th, 2009 at 08:29
Hallo! Auch von mir viele gute Wünsche. Und das die Ärzte schnell wissen, was es ist!
Viele Grüsse
Kerstin