Zum Glücklichsein brauche ich zwei Dinge, die mir Siegen als Stadt nicht bietet. Oder besser: bisher nicht geboten hat. Das eine ist Wasser. Ein Fluss, ein See, egal, aber Wasser ist wichtig. In Siegen fließt die Sieg. Eingekesselt in Wände; streckenweise zugedeckelt mit einem Parkplatz, der passenderweise Siegplatte heißt, vollgemüllt, dreckig und rundum bäh. Zählt also nicht.
Das zweite ist Weite. Felder. Freier Blick. Geht in Siegen nicht, das liegt im Tal und wo man hinguckt, steht ein befichteter Berg. Bäh.
Um so glücklicher bin ich, dass ich im Umfeld der neuen Wohnung genau das gefunden habe, was mir bisher fehlte. Und das will ich Ihnen heute zeigen.
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Fangen wir mal hiermit an. Ist nicht ganz der Anfang des Weges, vorher muss ich ein wenig den Hübbel runter und an der Straße lang, an Geschäften vorbei, in denen es Sockenwolle gibt. Aber ich bin standhaft. |
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Rechts dieses Weges wohnt eine Kuhfamilie, dahinter Dorfidylle vom Feinsten, mitsamt Kinderlärm aus einer Grundschule. Idyll as Idyll can. |
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Ein Baum, stellvertretend für viele, die es dort gibt. Groß. Breit. Ausladend. Beschattend. Imposant. Und sehr freundlich, wenn man sich mal an einen lehnt oder einen umarmt. Ja, ich gebe es zu, ich umarme Bäume. Und finde es toll. |
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Wasser! Auch das hier ist die Sieg, aber wie anders ist sie hier, nur ein paar Kilometer flussabwärts! Gut, mehr ein Bach als ein Fluss, aber trotzdem. |
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Bewohnt ist dieses Wasser übrigens auch. Und nicht nur mit Reihern, sondern auch mit Unmengen an Reiherfutter. Aber das zeige ich nachher noch. |
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Nicht missen möchte ich andere Leute. Sie sehen das jetzt nicht auf diesem Bild, aber direkt nach der Aufnahme kam von hinten ein Radfahrer, der sich hektisch umsah, was ich da wohl fotografiert haben könnte. Hihi. |
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Wasser. Wasser! Wildromantisch über Kiesel hüpfend und an zugewucherten Ufern entlang. |
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Hier ein besonders freundlicher Baum, der mir jedes Mal, wenn ich vorbeikomme, eine gemütliche Sitzgelegenheit direkt am Ufer anbietet. |
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Kennen Sie diesen typischen Geruch eines Flusses an einem Sommertag? Ich habe lange, wirklich lange darüber gegrübelt, wie man diesen Geruch beschreiben kann. Ich kann es nicht. Aber ich liebe ihn. |
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Haben Sie mal Gräser angeschaut? Gräser sind unglaublich vielfältig und schön. Filigran oder derb, in allen Schattierungen von grün bis grau. Wiegen sich im Wind und im Flussduft. |
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Manchmal trifft man Weggefährten. Wie dieser Schneck hier. Wenn er erzählen könnte.. die Geschichte, wie er die Macke ins Häuschen bekam, wäre bestimmt spannend. |
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Reiherfutter. Hunderte kleine bis mittelgroße Fische, mindestens zwei verschiedene Arten, die ich leider mangels Fachwissen nicht näher bestimmen kann. Sehr lustig: mit der Hand oder dem Kopf Schatten in die Gruppe werfen, die dann auseinanderstiebt. |
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Geheime Trampelpfade durch fast mannshohes Gras, die man erreicht, wenn man unbefugt den Dienstweg beschreitet. |
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Und noch mehr Wasser. Von Mal zu Mal wildromantischer durch das Bett gluckernd. |
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Vorbei geht es jetzt an Viehweiden, rechts immer noch der Fluss, beschattet von Bäumen. Hier begegnet man schon mal anderen Spaziergängern, oft mit Hund. Oder auch mit einem ganzen Rudel, wie mir neulich geschehen. Waren aber alle sehr freundlich. Halter und Hunde. |
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Wenn man sich auf einem Trampelpfad in die Büsche schlägt, findet man unverhofft sogar Strände, auf denen man sich vermutlich den ganzen Tag nackig sonnen könnte, ohne dass jemand es bemerkt. |
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Sogar möbliert ist dieser Strand. Treibholz! Es gibt kaum etwas faszinierenderes als Treibholz. Als ich damals, vor gefühlten hundert Jahren, an der Pazifikküste des Staates Washington spazieren ging, habe ich zum ersten Mal einen Strand voll mit Treibholz erlebt. Ganze Wälder lagen da herum. Glattgeschliffen. Ausgeblichen. Schön. |
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Hier am Strand, wo das Wasser nur wenige Zentimeter tief über die Kiesel schwappt, ist übrigens der Fisch-Kindergarten. Vielleicht einen Zentimeter lang waren die Kleinen. |
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Hier der Eingang zu einem vergessenen Heiligtum, eine Lichtung, in die immer ein Sonnenstrahl fällt. |
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Dieser knorzelige Baumkauz wacht über die Lichtung und freut sich, wenn ihn jemand besucht und wieder auf seinen Platz auf dem Ast setzt. Da fällt er im Sturm nämlich manchmal herunter. |
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Weiter geht’s, vorbei an wogenden Wiesen. |
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Dieses Stück Weg führt zur örtlichen Einkaufsmeile – hintenrum. Ich liebe es, die kleinen versteckten Hintenrum-Wege zu entdecken, durch die man nicht an der Straße entlang gehen muss, sondern einen grün überdachten Weg hat, der einen direkt auf den Parkplatz des Supermarkts führt. Und der es einem erlaubt, aus der lauten, hektischen Welt ganz schnell auch wieder in den Frieden hier hinten einzutauchen. |
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Und noch ein letztes Wasser-Bild zum Abschluss. Ist das nicht herrlich? |
Juni 25th, 2008 at 16:07
Ich kann nur sagen: WOW!!! :)
Juni 25th, 2008 at 18:17
Hej! Was für ein ZuFall. Mein Göga kommt gebürtig aus Buschhütten. Ne sowas! Da kann ich voll nachvollziehen, was Du meinst, daß Siegen Dir bis jetzt nicht das geboten hat, was Du Dir wünscht. Schön, daß es Dir jetzt gefällt, wo Du wohnst.
LG Jule
Juni 25th, 2008 at 18:29
Jo, das ist ja grad um die Ecke! Die Welt ist halt klein…
Juni 26th, 2008 at 07:16
So schöne Bilder! So schöne Natur! Danke für’s zeigen sagt die Ev
Juni 26th, 2008 at 07:26
Gerne, Frau Ev, gerne. Danke fürs Anschauen!
Juni 26th, 2008 at 08:24
Hey was für eine tolle Bilderstory. Damit kann ich jetzt leider nicht dienen, habe aber meinen Lieblingsweg auch gezeigt.
LG Monika
Juni 26th, 2008 at 20:27
Nein, Siegen ist nicht wirklich prickelnd, aber es gibt auch schlimmeres!
Wo ist dieser schöne Weg? (Ich wohne in Freudenberg)
LG Helga
Juni 26th, 2008 at 21:28
Hallo Frau Helga,
schön, jemand aus der Nähe! Ich hab es ja nicht mehr zu hoffen gewagt.
Der Weg führt von Niederschelden an der Sieg entlang nach Eiserfeld.
Juni 30th, 2008 at 17:34
Hallo,
bin heute erst auf Deinen Blog aufmerksam geworden…
und ich bin auch aus dem Siegerland. allerdings etwas mehr nördlich, Allenbach. War vorletzte Woche noch da. Stimmt schon, was die Landschaft betrifft, soviel Wald und man kann stundenlang laufen, ohne eine Menschenseele zu treffen…
Ich werde ab jetzt öfter hier vorbeischauen
LG Sophie
Juni 30th, 2008 at 22:56
Oh, jemand aus der Nähe, wie schön! Herzlich Willkommen, Frau Sophie, und toben Sie sich hier ruhig aus im Blaseblog!