Okt 21 2009

Ich lebe noch.

Tag: BefindlichkeitenBlasebalg @ 15:22

Und wenn Sie diese Überschrift jetzt für eine flapsig-blasebalgsche Ausrede für langes Nichtschreiben oder so gelesen haben, dann darf ich Sie jetzt ganz theatralisch eines besseren belehren: Ich meine das wörtlich.

Dass ich gekränkelt habe, habe ich ja hier so ein wenig durchblicken lassen. Wenn ich auch nicht so viel gejammert habe, wie ich hätte mögen. Und vielleicht hätte ich auch bei den diversen Ärzten mehr jammern sollen. Vielleicht hätte ich mich nicht auf die Aussage von zwei Doktoren verlassen sollen, dass der Schmerz im Bein bestimmt keine Thrombose ist. Vielleicht hätte ich mich nicht an der Theorie vom Infekt und der Bronchitis festhalten sollen, wegen der ich dachte, dass ich da halt jetzt durch muss, auch wenn es mir beschissen geht.

Solange ich rumsaß war es ja auszuhalten. Nur das Laufen wurde immer schwerer. Am Schluss war der Weg vom Bett zum Klo und zurück in etwa so anstrengend wie ein 100-Meter-Sprint. Okay, die Husterei, die mich die ganze Nacht wachgehalten hat, war auch nicht schön, aber die sprach ja auch wieder für die Bronchitis. Also Augen zu und durch.

Gestern vor einer Woche dann der Termin beim Kardiologen, der sich die Auffälligkeit im EKG ansehen sollte. Hat er auch getan, aber nur sehr kurz, dann ordnete er schon an, dass Rettungswagen und Notarzt kommen sollten, und dass ich nicht mehr unbeobachtet bleibe. Während der Wartezeit noch einen kurzen Blick per Ultraschall aufs Herz, der aber nur noch bestätigt hat, was er schon am EKG (und meinem Zustand, vermutlich) gesehen hatte.

Zu dem Zeitpunkt hatte er mir noch nicht gesagt, was er vermutete, aber eigentlich war es mir klar. Irgendeinem Teil in mir war es die ganze Zeit schon klar gewesen, aber der wurde von der Vernunft und den beruhigenden Ergebnissen der Ärzte überstimmt. Irgendwie war es erleichternd, nun endlich die Bestätigung zu haben, wenn mir auch der Arsch auf Grundeis ging, um es mal so zu sagen. Es lässt einen halt doch nicht kalt, wenn der Arzt plötzlich einen angespannten Gesichtsausdruck bekommt und die Helferinnen durch die Gegend scheucht, weil alles nicht schnell genug geht.

Ich bekam eine Maske mit Sauerstoff auf die Schnute und versuchte, keine Panik zu kriegen. Im Krankhaus wurde ich dann direkt auf die Intensivstation geschoben, ein Haufen Ärzte wuselte um mich herum und versuchte, mir diverse Nadeln in die Arme zu jagen (am Schluss hatte ich vier Zugänge liegen), was wohl nicht so einfach war. Als Ergebnis der Aktion trage ich jetzt noch dekorative Blutergüsse an den Handgelenken, die jeden Tag in neuen Farben schillern. Dann schob man mich in einen großen Donut, und das CT bestätigte es endgültig: Fulminante Lungenembolie beidseits, Schweregrad nach Grosser II-III, Postinfarktpneumonie rechts (was das genau ist, erklärt Wikipedia). Ach ja, dass das im Bein doch eine Thrombose gewesen war, stellte sich im Laufe meines Krankenhausaufenthalts natürlich auch noch raus.

Nachdem der Oberarzt mir die letzten beiden Nadeln noch in die Arme gejagt hatte, wurde die Lyse-Therapie gestartet. Die Schutzengel, die mich bis dahin auf den Beinen gehalten hatten, taten noch weiter Dienst, und sorgten dafür, dass bis auf heftiges Nasenbluten keine Komplikationen auftraten, ich bekam wundervolle Leck-mich-am-Arsch-Drogen, und nach nicht mal zwei Tagen wurde ich auf die normale Station verlegt. Körperlich ging es mir zusehends besser, ich konnte nach ein paar Tagen schon wieder Treppen steigen, und der Herz-Ultraschall zeigte, dass sich da wohl alles wieder normalisiert und keine Schäden am Herzen zurückbleiben.

Heute dann wurde ich entlassen, rund eine Woche nachdem ich eingeliefert wurde, und bis auf gelegentlichen Weltschmerz geht es mir wieder richtig ordentlich. Ich darf den Rest meines Lebens Rattengift Marcumar essen, trage sexy Thrombosestrümpfe und wünsche mir ab und zu eine von diesen Leck-mich-am-Arsch-Pillen, um mich von der ganzen Sache abzulenken, und ich habe mich den Rest der Woche noch krankgeschrieben.

So.

Das war in Kurzfassung, was mir in den letzten Tagen passiert ist, warum es hier so ruhig war, und warum ich die Überschrift wörtlich meine. Wenn es da oben irgendwo nicht jemanden gäbe, der offenbar der Meinung ist, ich hätte auf dieser Welt noch was zu erledigen, dann könnte das heute alles auch anders aussehen.

Allen, die mir in der Zwischenzeit gemailt hatten, einen ganz lieben Dank. Ich weiß noch nicht, wann ich antworten kann. Dafür bitte ich um Verständnis. Aber ich habe mich über jede der Mails gefreut, als ich sie vorhin abgerufen habe, sehr sogar.

Für heute soll es das gewesen sein. Passen Sie auf sich auf.


Okt 09 2009

Oh wie schön.

Tag: BefindlichkeitenBlasebalg @ 10:27

Sie sind alle so lieb zu mir. Dankeschön für alle Kommentare und Mails. Auf letztere antworte ich auch noch, versprochen. Bin zwar immer noch nicht fit, aber nicht mehr ganz so matschig im Hirn wie die letzten paar Tage. Darum gibt es auch heute kein Gejammer, sondern ein Gefreu. Die Sonne scheint, solange ich mich nicht groß bewege kriege ich genug Luft, und mein Flyer liegt in den letzten Zügen. Seit Wochen will ich den schon fertig machen und schiebe und schiebe es vor mir her. Aber jetzt ist es bald so weit. Noch ein paar Korrekturen, dann kann er in Druck. Und dann kann ich mich bestimmt vor Aufträgen nicht mehr retten.
Bestimmt wird jetzt alles wieder gut.


Okt 07 2009

Ein bisschen Gejammer

Tag: BefindlichkeitenBlasebalg @ 14:20

Ich sitze im Bett, auf dem Schoß ein Regalbrett, das mir als Schreibtisch dient, denn das Laptop direkt auf der Bettdecke ist wärmetechnisch ungünstig. Und auch die Maus rutscht besser auf dem Brett.

So nach und nach verdichten sich die Hinweise darauf, was ich eigentlich habe. Mal abgesehen von den Panikanfällen, die sich immer wieder dazwischenschieben. Zur Zeit sieht es jedenfalls nach einer schönen Bronchitis aus. Immerhin muss ich seit gestern Husten und Röcheln, und das Atmen tut weh. Das hat den weiteren Vorteil, dass mir das Herzbumpern nicht mehr so auffällt, weil das Atmen-weh-tun schlimmer ist. Das Prinzip des Gegenschmerzes sozusagen. Das EKG gestern war jedenfalls noch genauso auffällig wie in der Woche davor, aber immerhin spricht es gegen meine heimliche Befürchtung, dass sich das ganze Theater am Ende doch als Lungenembolie entpuppt. Aber dann wäre die Rechtsherzbelastung im EKG sichtbar, also kann es das eigentlich nicht sein. Für den Moment bin ich beruhigt.

Nächste Woche steht ein Termin beim Kardiologen an, mal sehen, was der zum Bumpern sagt.

Insgesamt bin ich ziemlich genervt und gefrustet. Ich kann damit umgehen, wenn ich einen Schnupfen habe, einen Beinbruch oder sonstwas eindeutiges. Aber diese diffusen Geschichten, von denen mir keiner so richtig sagen kann, was es eigentlich ist, sorgen immer wieder für Panikschübe. Nächtelang habe ich mit Telefon in Reichweite geschlafen, damit ich Hilfe rufen kann, falls ich nachts aufwache und merke, dass ich am Abnippeln bin. Im Moment kommt mir das selbst albern vor. Aber Angst ist stark. Als ich letzthin im Zug saß, auf dem Weg zum vierten Block meiner Ausbildung, und das erste Mal mein Kreislauf total verrückt gespielt hat, mein Herz gebumpert und ich ohne Ende kurzatmig war, gingen mir echt dämliche Gedanken im Kopf rum. Sowas wie “Mist, ich wollte doch noch eine Lebensversicherung abgeschlossen haben, was macht denn Herr Spektakel sonst, wenn ich nicht mehr wiederkomme?”. Oder “Bis zum nächsten Bahnhof muss ich noch durchhalten, wenn ich auf dem Bahnsteig zusammenbreche, kann schneller ein Notarzt kommen.” Oder “Hat da nicht grad meine linke Gesichtshälfte gekribbelt? Schlaganfall? Kann ich noch sprechen? Hängt mein Augenlid nicht ein wenig runter?”

Ja, so dumme Gedanken trägt das Balg gelegentlich mit sich rum. Derzeit halte ich mich an der Diagnose Bronchitis fest, huste kräftig und bleibe im Bett, schlucke bunte Pillen, vermeide alles koffeinhaltige und warte. Ich möchte mich gern wieder einfach ganz normal fühlen. Ich mag mich so nicht.
Vielleicht ist das der Grund, warum ich es habe. Damit ich lerne, mich auch damit zu mögen? Keine Ahnung. Drecksscheiße.


Okt 02 2009

Gesundheitsratgeber

Tag: BefindlichkeitenBlasebalg @ 19:34

Ich sag Ihnen mal was. Wenn Sie aus noch ungeklärter Ursache Herzbumpern, ein komisches EKG und allgemeines Unwohlsein haben, verzichten Sie auf Kaffee. Und auf Cola. Echt.

Scheiße.

Bummbummbummbumm.


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