Aug 01 2010

Zwischenbericht

Tag: MetaBlasebalg @ 08:09

Die Verlosung findet noch statt, keine Sorge, die hab ich nicht vergessen. Und die Geschichte geht auch noch weiter. Wobei ich gerade mit mir selbst darum ringe, ob ich die lange, krimimäßige Variante oder die kürzere, unikrimihafte Variante schreiben soll. Für beide habe ich einen Plot im Auge. Was meinen Sie, so aus dem Bauch raus?

Momentan stecke ich mit dem Kopf bis zum Hals drin in Arbeit. In zwei, drei Tage sollte sich das aber wieder vehement ändern, dann sind einige Dinge rum. Dann geht’s hier wieder weiter mit Verlosung und Geschichte.

Ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre Geduld. Echt.


Jul 23 2010

Das geheime Leben des Pilzes Heinz G. (15)

Tag: Pilzcontent,WorteBlasebalg @ 09:45

“Was, wenn Mo doch recht hat?” fragte Heinz. “Was, wenn es nicht sein Gestank ist, sondern es mit dem sonderbaren Hügel zu tun hat, den das Wesen neulich nachts hergebracht hat?”

“Ach Unsinn”, sagte der Fuchs. “Hügel stinken nicht. Ich habe schon viele Hügel gesehen, und bisher hat keiner gestunken. Das ist ein Geruch, den nur Stinkpilze und tote Tiere verströmen, keine Hügel.”

“Und wenn es ein toter Hügel ist?”

“Ein toter Hügel? Was soll das denn sein?” Der Fuchs kicherte. “Heinz, alter Pilz, es spricht ja für dich, dass du den Stinker da hinten in Schutz nehmen willst, den du als deinen Nachbarn bezeichnest, aber von der Welt hast du echt keine Ahnung.” Erneut schüttelte den Fuchs ein Kichern. “Tote Hügel, unfassbar.”

Heinz beschloss, wegen dieser Bemerkung nicht beleidigt zu sein. Auch wenn es ihm schwer fiel. Er hatte ja schon früher ab und zu gedacht, dass der Fuchs sich bestimmt cooler und erfahrener gab, als er tatsächlich war. Vielleicht gab es so etwas wie tote Hügel ja doch, und der Fuchs wollte nur nicht zugeben, dass er auch einmal etwas nicht kannte.

Während er so nachdachte, folgte sein Blick einer Ameise. Sie hatte irgendwas zwischen ihre Kieferzangen geklemmt und schleppte es jetzt mühsam über den Waldboden. Heinz fragte sich, wieso sie nicht etwas Kleineres trug. Für ihn war es nur ein kleines Krümelchen, aber das Krümelchen war fast so groß wie die Ameise selbst. Sie hätte sich sicherlich nicht so abkämpfen müssen, wenn sie größer und der Krümel kleiner gewesen wäre. Unwillkürlich schoss ihm der Gedanke einer riesengroßen Ameise durch den Kopf. Dann lachte er laut auf.

Der Fuchs sah Heinz verwirrt an. “Warum lachst du jetzt?”

Heinz strahlte. “Weil ich gerade die Lösung für mein Problem gefunden habe, alter Freund! Willst du nicht meine Ameise sein?”

Der Fuchs verstand überhaupt nichts mehr.

[Fortsetzung folgt]


Jul 22 2010

Das geheime Leben des Pilzes Heinz G. (14)

Tag: Pilzcontent,WorteBlasebalg @ 10:21

Der Fuchs war misstrauisch.
“Der Hügel? Erzähl keinen Quatsch. Du bist doch so ein Stinkpilz, die Sorte kenne ich.”

“Was soll das denn jetzt heißen? Stinkpilz? Ich glaub’s ja nicht”, Mo war außer sich, “du spinnst ja wohl, räudiges Pelzvieh! Ich bin ein ehrenwerter Pilz, genau wie jeder andere Pilz auch!”

“Ach ja? Ein ehrenwerter Pilz? Und was machen all die Fliegen da, die über deinen schleimigen Hut krabbeln? Sind die rein zufällig da? Dich riecht man schon hundert Sprünge gegen den Wind!”

“Heinz, nun sag doch auch mal was, Pilze sollten zusammenhalten. Diese pelzige Töle beleidigt mich und unsere ganze Art!”

Heinz fühlte sich ausgesprochen unwohl in seiner Haut. Der Fuchs war doch sein Freund. Aber Mo war ein Pilz. Als hätte er nichts Besseres zu tun. Mussten die beiden ausgerechnet jetzt anfangen zu streiten?

“Du widerlicher Stinkpilz!”
“Du verflohter Mottenfiffi!”

Heinz schloss die Augen und versuchte, nicht hinzuhören. Irgendwann würden sie schon aufhören.

“Würgepups mit Schleimhut!”
“Vierbeiniger Mäusefresser!”

Oder vielleicht auch nicht?

“Haltet den Mund! Alle beide!” Heinz legte all seine Autorität in seine Stimme. Und tatsächlich, es wurde still. “Hört auf damit. Ich halte das nicht mehr aus. Ist doch auch völlig egal, wer oder was hier stinkt. Mannomann.” Heinz war echt sauer.

“Kann halt nicht jeder ein Steinpilz sein”, brummelte Mo vor sich hin. Er war zwar gekränkt durch das, was der Fuchs ihm alles an den Kopf geworfen hatte. Aber so ganz unrichtig war es ja auch wiederum nicht gewesen. Er war nun einmal ein Vertreter der Stinkmorcheln. Was konnte er denn dafür? Nie hätte er gedacht, dass er hier oben auf so viel Ablehnung stoßen würde.
“Geht doch einfach alle weg”, rief er den Waldbewohnern zu, die um ihn herum standen und misstrauisch in seine Richtung äugten. Aber sie blieben. Nur die Fliegen, die über seinen schleimigen Hut krabbelten, spendeten ihm ein wenig Trost.

Der Fuchs hatte sich neben Heinz gesetzt und drehte Mo den Rücken zu.

“Was ist denn da hinten los? Wer ist da? Es müssen viele sein?” fragte Heinz seinen Freund.
“Ja, der halbe Wald ist hier”, bestätigte der Fuchs.
“Aber warum?”
“Na, weil dein Freund so bestialisch stinkt, die kommen alle gucken, was hier los ist.”
“Ach komm, jetzt lass Mo in Ruhe. So schlimm kann das schon nicht sein.”
“Doch, es ist schlimm. Ich hab ja schon viele Stinkpilze getroffen, aber der hier muss ihr König sein. Sowas hab ich echt noch nicht erlebt.”

Nachdenklich schaute Heinz auf den Boden. Eine ganze Armee kleiner Krabbeltierchen war schon die ganze Zeit unterwegs, viel mehr als sonst. Sie liefen an ihm vorbei, nach hinten rechts.

“Ist das normal, dass so viele Waldbewohner kommen, wenn eine Morchel reift?” fragte er den Fuchs. Schließlich hatte er eine solche Situation noch nie miterlebt.

“Nein, normal ist das nicht. Sag ich ja.”

“Hm.” Heinz dachte nach.

[Fortsetzung folgt]


Jul 21 2010

Das geheime Leben des Pilzes Heinz G. (13)

Tag: Pilzcontent,WorteBlasebalg @ 08:14

Heinz überlegte fieberhaft, wie er sich ganz losmachen konnte vom letzten Rest seiner Verbindung zum Myzel, und wie er dann vom Fleck kommen könnte. Was hatte er denn schon alles beobachtet? Zapfen und Blätter oder Nadeln fielen von Bäumen herunter. Konnte er irgendwo hinunterfallen? Das Tal hinunterkullern, das ginge vielleicht. Und dann? Schwimmen? Er war nach wie vor unsicher, ob er schwimmen oder untergehen würde. Ein wenig ängstigte ihn die Vorstellung schon, dass seine frisch gewonnene Freiheit gleich wieder endete, nur weil er zu unerfahren war.

Vielleicht konnte er sich ja auch irgendwie aus eigener Kraft fortbewegen. Ein wenig drehen und wenden, das ging ja auch bisher schon. Ob das ausbaufähig war?

Heinz bewegte sich in alle Richtungen, erst vorsichtig, dann bis an die Grenzen dessen, was er schaffen konnte. Dabei passte er aber gut auf, um nicht die kleine Verbindung gänzlich zu kappen, die er noch hatte. Das wollte er erst tun, wenn er sich sicher war. Weil er im Moment sowieso nichts Besseres zu tun hatte, begann er zu trainieren. Vor und zurück, vor und zurück. Beweglichkeit, Kraft. Vor und zurück.

Gegen Abend war er völlig erschöpft. Dass das Bisschen Bewegung ihn so anstrengen würde, hätte er nicht gedacht. Aber wenn er vor seinem endgültigen Tod noch etwas von der Welt sehen wollte, dann musste er sich beeilen.

Wie gern hätte er dem Fuchs von seinen Plänen erzählt! Aber der ließ sich an diesem Tag nicht mehr blicken, und auch am nächsten nicht. Also trainierte Heinz, so gut es ging. Er konnte ja auch nicht einfach los, ohne seinem Freund Bescheid zu sagen, der würde ihn ja sicher vermissen.

Am darauffolgenden Morgen erwachte Heinz von einem ungewöhnlich lauten Rascheln. Stimmengemurmel. Ihm war, als hätten sich alle Waldbewohner in seinem Rücken versammelt, und als er nach oben sah, bemerkte er einen großen Schwarm fetter Fliegen.

“Oh Mann Heinz, bist du schon am Verwesen oder was?” fragte der Fuchs, der in diesem Moment angetrabt kam. “Hier riecht es ja unerträglich.”

Heinz war empört. Nach dem Training war er immerhin in der Form seines Lebens!

“Ich rieche nichts”, gab er patzig zurück.

“Nee, schon klar, du hast ja auch keine Nase.” Das breite Grinsen des Fuchses brachte Heinz beinahe noch mehr auf, doch der fuhr fort, bevor der Pilz etwas sagen konnte. “War nur ein Scherz, Heinz, nimm es nicht krumm. Bist ja auch nicht du, der so stinkt. Das ist dein Kollege.” Mit einer Kopfbewegung wies er nach hinten rechts, wo Mo stand.

Der hatte natürlich alles mit angehört.

“Das bin überhaupt nicht ich,” protestierte er, obwohl er genauso wenig wie Heinz so recht wusste, was der Fuchs eigentlich meinte. Auch Mo hatte keine Nase. “Wenn überhaupt, dann ist es der Hügel hier neben mir, den alle anstarren.”

Und damit hatte er ganz recht.

[Fortsetzung folgt]


Jul 17 2010

Das geheime Leben des Pilzes Heinz G. (12)

Tag: Pilzcontent,WorteBlasebalg @ 08:58

Während er auf den Fuchs wartete, überlegte Heinz, was seinen neue Situation für ihn zu bedeuten hatte.

Er musste nicht mehr wachsen. Selbst wenn er gewollt hätte, es ging nicht mehr. Else hatte ihm seine Entlassungspapiere ausgehändigt, sie würde also ab sofort auch nicht mehr vorbeikommen. Wozu auch. Er wuchs ja nicht mehr, und wo kein Wachstum, da keine Vermessung.

Er musste auch keine Sporen mehr ausbilden. Er würde für keine neue Generation Pilze mehr sorgen, das stand fest. Der Gedanke hatte ihm noch nie besonders gefallen, aber wenn er ganz ehrlich mit sich war… eine gewisse Leere konnte er nicht leugnen. Wozu lebte er denn jetzt? Ein paar Tage hatte er sicher noch, ehe er elendig zugrunde ging, abgeschnitten von seiner Nahrungsquelle. Was sollte er mit diesen paar Tagen anfangen?

Gründlich untersuchte er den Riss an seinem Fuß. Der Schmerz war noch da, aber es war nur noch ein dumpfes Pochen, das er kaum noch wahrnahm. Viel hatte nicht gefehlt, dann wäre er komplett abgerissen. Wer weiß, wenn das passiert wäre, womöglich wäre er den Abhang ins Tal hinunter gekullert. Vielleicht wäre er in den Bach dort unten gefallen, dabei konnte er gar nicht schwimmen. Vermutlich. Ausprobiert hatte er es ja noch nicht. Vielleicht schwammen Pilze ja auch, und er wusste gar nichts davon?

Wie er so darüber nachgrübelte, was alles hätte passieren können, wenn er komplett abgerissen wäre, keimte ein leiser Gedanke in ihm auf. Vielleicht, sagte er sich, war das genau die Chance, auf die er immer gewartet hatte?

Ohne die Verbindung zum Myzel war er frei. Ungebunden, im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn er es irgendwie schaffte, sich vom Fleck zu bewegen, dann konnte er vielleicht noch etwas von der Welt sehen, bevor er endgültig starb. Abenteuer erleben. So wie er es immer gewollt hatte.

Heinz spürte eine Leichtigkeit in seinem kleinen pilzigen Herzen, die er noch nie gekannt hatte. Er war frei!

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